Psst

Ausschnitte aus Psst

Die beiden großformatigen Querbilder entstanden ausgehend von einem kleinen Brustbild eines Kindes, das den Finger an die Lippen legt, als wolle es „Psst“ sagen. In beiden Darstellungen ist das Kind unten links platziert, die angedeuteten Flügel verleihen seiner Geste etwas Engelsgleiches. Doch das Schweigen, zu dem es auffordert, wird im Werk selbst hinterfragt: Warum nicht sprechen, fragen, staunen?

Innerhalb der Bildflächen entfalten sich zahlreiche, teils parallel verlaufende Szenen, die mögliche Ursachen oder Hintergründe dieses Schweigens andeuten. Auf der rechten Seite erscheint eine bröckelnde Torwand ohne Tür – zwei Figuren schleppen schwere Steinbrocken fort, als trügen sie Lasten der Vergangenheit. Dazu kontrastiert das mehrfach wiederkehrende Motiv des farbenfrohen Baumes, das Leben und Wachstum symbolisiert, während gleichzeitig eine sturzflutartige Bewegung viele Figuren mit sich reißt.

Auffällig ist der Gegensatz zwischen dem fein gemalten Kinderbildnis und den daneben auftauchenden, schablonenhaften Fratzen und Grimassen. Im oberen linken Bereich schauen eine Frau und ein Mädchen über eine museal wirkende Absperrung in eine dunklere, tiefere Ebene hinab – ein rätselhafter, erzählerischer Moment, der das Geheimnis des Sehens und Erkennens im Werk offenhält.